Was ist DSIP?
Veröffentlicht am 21. Sept. 2026 · Aktualisiert 17. Okt. 2026 · 13 Min. Lesezeit
DSIP ist das Delta-Schlaf-induzierende Peptid (Delta Sleep-Inducing Peptide), eine Kette aus neun Aminosäuren, die im Hinblick auf den Schlaf untersucht wurde. Es wird auch Emideltid genannt und zieht Menschen an, die sich tieferen Schlaf, leichtere Morgen und eine bessere Regeneration wünschen. Studien am Menschen liefern gemischte Ergebnisse, und der Name verspricht mehr Gewissheit, als die Evidenz hergibt.
Das Wichtigste in Kürze
- DSIP, auch Emideltid genannt, ist ein Peptid aus neun Aminosäuren, das im Hinblick auf den Schlaf untersucht wurde. Es hat keine von der FDA (US-Arzneimittelbehörde) zugelassene Anwendung, und im Juli 2026 stimmte ein Beratungsausschuss der FDA mit 7–6 Stimmen dagegen, es für die 503A-Rezepturliste zu empfehlen (die Liste der Wirkstoffe, die US-Apotheken für Rezepturen verwenden dürfen).
- Die Befunde am Menschen widersprechen sich. Eine Studie mit 14 Personen berichtete über besseren Schlaf und eine bessere Leistungsfähigkeit am Tag; eine spätere Studie mit 16 Personen fand nur schwache Effekte und keine Verbesserung der empfundenen Schlafqualität.
- Die oft zitierte Zunahme des Schlafs um 59 % stammt von sechs gesunden Freiwilligen und wurde während einer 130-minütigen Beobachtung nach einer morgendlichen Infusion gemessen. Sie bedeutet nicht 59 % mehr Tiefschlaf in der Nacht.
- Experimente am Menschen stützen keinen verlässlichen cortisolsenkenden Effekt. Befunde zum Wachstumshormon bei Ratten belegen weder eine bessere Regeneration noch Muskelaufbau beim Menschen.
- Die älteren Studien mit intravenöser Gabe belegen weder eine subkutane Dosis noch einen nächtlichen Zyklus noch einen sicheren Peptid-Stack. Ein Schlafscore vom Wearable kann diese Lücken nicht füllen.
Eine Studie mit 14 Personen berichtete über besseren Schlaf und eine bessere Leistungsfähigkeit am Tag. Eine spätere Studie mit 16 Personen fand Effekte, die zu schwach waren, um auf einen nennenswerten therapeutischen Nutzen hinzudeuten. Haben die Menschen länger geschlafen, mehr Zeit im Tiefschlaf verbracht oder sich am nächsten Tag besser gefühlt?
| DSIP auf einen Blick | Details |
|---|---|
| Vollständiger Name | Delta-Schlaf-induzierendes Peptid (Delta Sleep-Inducing Peptide) |
| Anderer Name | Emideltid |
| Molekül | Nonapeptid: eine Kette aus 9 Aminosäuren |
| Sequenz | Trp-Ala-Gly-Gly-Asp-Ala-Ser-Gly-Glu, abgekürzt WAGGDASGE |
| Hauptanreiz | Schlafqualität, Tiefschlaf und Regeneration |
| Evidenz zum Schlaf beim Menschen | Kleine, überwiegend ältere Experimente mit widersprüchlichen Befunden |
| Verabreichungsweg in den unten genannten klinischen Schlafstudien | Intravenöse Gabe |
| Etabliertes Dosierungsschema für besseren Schlaf | Keines |
| Status für US-Rezepturen | Nicht auf der 503A-Liste der Bulk-Wirkstoffe; FDA-Mitarbeitende rieten von einer Aufnahme ab, und ein Beratungsausschuss stimmte im Juli 2026 mit 7–6 Stimmen dagegen |
Das FDA-Substanzregister bestätigt den Namen Emideltid und die Sequenz. Ein Registereintrag identifiziert eine Substanz; er lässt keine Behandlung zu.
1. Woher stammt der Name „schlafinduzierend“?
In Schoenenbergers und Monniers Experiment von 1977 isolierten Forschende ein Peptid aus Kaninchen, synthetisierten es und verglichen es mit verwandten Peptiden. Bei 58 Kaninchen, Kontrolltiere eingeschlossen, zeichneten sie die elektrische Hirnaktivität auf, nachdem die Substanzen in das Ventrikelsystem des Gehirns infundiert worden waren. Synthetisches DSIP verstärkte die Delta- und Spindelaktivität im Elektroenzephalogramm (EEG).
Deltawellen sind langsame Hirnwellen, die mit dem tiefen Non-REM-Schlaf in Verbindung gebracht werden. Dieses Tierexperiment erklärt den Namen. Es belegt nicht, wie eine kommerziell angebotene Injektion eine Nacht Schlaf beim Menschen beeinflusst.
Auch die Biologie des Menschen stellt die Vorstellung von DSIP als einfachem Schlafschalter infrage. Friedman und Kollegen (1994) nahmen bei 12 gesunden Freiwilligen 24 Stunden lang alle 30 Minuten Blut ab und zeichneten dabei den Schlaf auf. Die DSIP-ähnliche Immunreaktivität erreichte gegen 3 Uhr nachmittags ihren Höchstwert und gegen 1 Uhr nachts ihren Tiefstwert. Im REM-Schlaf lagen die Werte niedriger und im Slow-Wave-Schlaf (langsamwelliger Schlaf) etwas niedriger als im Wachzustand.
„DSIP-ähnliche Immunreaktivität“ bezeichnet Material, das mit einem antikörperbasierten Test nachgewiesen wird. Sie beweist nicht, dass jedes Signal von intaktem, aktivem DSIP stammt. Diese Beobachtungsstudie kann die Wirkung einer Injektion nicht vorhersagen, stellt aber die Annahme infrage, dass höhere Spiegel im Blut zwangsläufig tieferen Schlaf bedeuten.
2. Wirkt DSIP beim Schlaf? Die Studien am Menschen
Die klinische Literatur enthält positive Befunde ebenso wie erfolglose Versuche, einen nützlichen Effekt zu reproduzieren. Diese Studien maßen den Schlaf im Labor, oft mit Polysomnographie: Aufzeichnungen, die Hirnströme mit anderen physiologischen Signalen kombinieren.
| Studie, Autoren, Jahr und Quelle | Teilnehmende und Design | Berichtetes Ergebnis | Einschränkung |
|---|---|---|---|
| Gestörter Schlaf beim Menschen, Schneider-Helmert und Schoenenberger, 1981, PubMed | 6 Personen mittleren Alters mit chronischer Insomnie; intravenöses DSIP | Längerer Schlaf, weniger Unterbrechungen und etwas mehr REM-Schlaf; schlaffördernde Effekte setzten in der zweiten Stunde ein | Sehr kleine Stichprobe; eine kurze Beobachtung kann keinen dauerhaften Nutzen belegen |
| 24-Stunden-Schlaf-Wach-Verhalten, Schneider-Helmert, 1987, PubMed | 14 Personen mit chronischer Insomnie; placebokontrollierte, doppelblinde Bedingungen über 7 aufeinanderfolgende Nächte | Besserer Nachtschlaf, bessere Wachheit und Leistungsfähigkeit am Tag; die Effekte hielten bis in die erste Nacht nach der Behandlung an | Kleine Studie; das Abstract nennt keinen genauen Unterschied zwischen den Gruppen in Minuten |
| Kurzzeitgabe, Monti et al., 1987, PubMed | Chronische Insomnie; doppelblinde Crossover-Studie mit intravenösem DSIP und Placebo | Veränderungen bei einigen Schlafparametern, doch Unterschiede zu Studienbeginn erschwerten den Vergleich; der Slow-Wave-Schlaf veränderte sich nicht | Die Autoren stuften die Verbesserung als klinisch wenig bedeutsam ein; das Abstract nennt keine Stichprobengröße |
| Chronische Insomnie, Bes et al., 1992, PubMed | 16 Betroffene; paarweise gematchte, doppelblinde Parallelgruppen; DSIP oder Placebo vor 3 Nächten | Etwas bessere Schlafeffizienz und kürzere Einschlafzeit; keine Verbesserung der subjektiven Schlafqualität | Die Effekte waren schwach und teilweise durch eine Veränderung in der Placebogruppe erklärbar |
Diese Zusammenfassungen beruhen auf den veröffentlichten Abstracts. Sie ergänzen keine fehlenden Effektgrößen und unterstellen nicht, dass alle Studien dieselbe Formulierung, denselben Zeitpunkt der Gabe oder dieselben Einschlusskriterien verwendeten.
Die positive Studie von 1987 liefert einen Grund, DSIP weiter zu untersuchen. Die anderen verblindeten Studien lassen es nicht zu, dieses Ergebnis als verlässliches Resultat zu behandeln. Unterschiede in Behandlungsdauer und Studiendesign könnten zu den widersprüchlichen Ergebnissen beitragen, doch die Studien klären nicht, welche Erklärung zutrifft.
Die meisten Teilnehmenden hatten hier eine chronische Insomnie. Selbst ein klarer Nutzen in dieser Gruppe müsste erst geprüft werden, bevor man ihn auf einen gesunden Menschen überträgt, der bereits sieben oder acht Stunden schläft und sich eine bessere Regeneration vom Training wünscht.
3. Was bedeutet das Ergebnis „59 % mehr Schlaf“?
Die Zahl stammt aus dem Experiment von Schneider-Helmert und Kollegen mit gesunden Freiwilligen von 1981. Sechs Personen erhielten morgens intravenös DSIP oder Placebo in einer doppelblinden Crossover-Studie. Die Forschenden berichteten über eine Zunahme der medianen Gesamtschlafzeit um 59 % während eines 130-minütigen Beobachtungsfensters nach der Behandlung.
Dieser Prozentwert beschreibt den Gesamtschlaf in einem kurzen Zeitfenster am Tag. Er kann dir nicht sagen, wie viele zusätzliche Minuten Tiefschlaf du in der Nacht erwarten kannst. Dieselbe Arbeit berichtete über einige günstige Veränderungen im Schlaf der folgenden Nacht, darunter ein schnelleres Einschlafen, doch die 59 % gehören zur Beobachtung am Tag.
Relative Prozentangaben brauchen außerdem einen Ausgangswert, um aussagekräftig zu sein. Eine große prozentuale Veränderung über eine kurze Beobachtung kann einen ganz anderen praktischen Nutzen darstellen als eine zusätzliche Stunde Nachtschlaf. Das Abstract nennt nicht die zugrunde liegenden Medianwerte, die nötig wären, um dieses Ergebnis in einen absoluten Unterschied in Minuten umzurechnen.
4. Tiefschlaf, REM-Schlaf und Regeneration sind unterschiedliche Endpunkte
Die Schlafeffizienz ist der Anteil der Zeit im Bett, der schlafend verbracht wird. Die Schlaflatenz ist die Zeit bis zum Einschlafen. Slow-Wave-Schlaf bezeichnet ein bestimmtes Schlafstadium. Eine Verbesserung bei einem dieser Werte garantiert keine Verbesserung bei den anderen.
In Montis Studie von 1987 spiegelte der Zuwachs an Non-REM-Schlaf Veränderungen im Stadium 2 wider. Slow-Wave-Schlaf und REM-Schlaf veränderten sich nicht. Das ist ein direkter Grund, die pauschale Behauptung zu hinterfragen, DSIP erhöhe zuverlässig den Tiefschlaf.
Bei der Regeneration kommt ein weiterer Schritt hinzu. Eine Schlafstudie müsste Endpunkte wie die Leistungsfähigkeit am nächsten Tag, Muskelkater oder die Trainingskapazität messen, um eine Aussage zur Regeneration zu stützen. Die Befunde zur Leistungsfähigkeit am Tag in Schneider-Helmerts Studie sind für die Alltagsfunktion relevant, belegen aber weder eine bessere Muskelreparatur noch eine bessere sportliche Anpassung.
Was dir ein Wearable sagen kann
Chinoy und Kollegen (2021) verglichen sieben Schlaftracker für Verbraucher mit der Polysomnographie. Die Übereinstimmung bei den Schlafstadien schwankte, und in gestörten Nächten schnitten die Geräte tendenziell schlechter ab. Diese Studie bewertete bestimmte Geräte und Algorithmen; ihre Ergebnisse sind kein Genauigkeitswert für jede aktuelle Uhr oder jeden aktuellen Ring.
Ein höherer „Tiefschlaf“-Schätzwert nach DSIP ist eine Beobachtung, die es wert ist, festgehalten zu werden, beweist aber nicht, dass DSIP den im EEG definierten Slow-Wave-Schlaf erhöht hat. Messfehler des Geräts, die normale Schwankung von Nacht zu Nacht und Veränderungen der Schlafgelegenheit können den Vergleich beeinflussen.
Für ein aussagekräftiges Schlafprotokoll notierst du neben dem Schätzwert des Wearables die Zubettgehzeit, die Aufwachzeit, erinnertes nächtliches Aufwachen, wie erholt du dich fühlst und die Schläfrigkeit am nächsten Tag. Halte auch Veränderungen bei Koffein, Alkohol, Krankheit und Trainingsbelastung fest. Ein persönliches Protokoll kann Muster aufzeigen, die du mit ärztlichem Fachpersonal besprechen kannst; aus ein paar guten Nächten lässt sich aber keine Wirksamkeit ableiten.
5. Senkt DSIP das Cortisol oder erhöht es das Wachstumshormon?
Behauptungen zum Cortisol wurden am Menschen geprüft. In den Experimenten von Späth-Schwalbe und Kollegen von 1995 unterdrückte DSIP die ACTH- und Cortisolreaktion auf das Corticotropin-Releasing-Hormon nicht. In jeder Bedingung des Hormontests wurden fünf Männer untersucht. Bei weiteren zehn Männern veränderte DSIP die mittägliche ACTH- und Cortisolreaktion auf eine Mahlzeit nicht.
ACTH ist ein Hormon der Hypophyse, das die Cortisolausschüttung mit anregt. Die Befunde sprechen nicht für einen verlässlichen cortisolsenkenden Effekt beim Menschen. Sie prüfen zudem nicht jede mögliche Stresssituation und können daher nicht beweisen, dass DSIP dieses System niemals beeinflusst.
Das Argument mit dem Wachstumshormon stützt sich zum Teil auf Experimente von Iyer und Kollegen an Ratten von 1988. Nach Schlafentzug verhinderte eine Blockade der DSIP-bezogenen Aktivität durch einen in einen Hirnventrikel injizierten Antikörper die Zunahme von Slow-Wave-Schlaf und Wachstumshormon, die bei den Kontrolltieren auftrat.
Dieses Experiment untersuchte eine mögliche physiologische Rolle bei Ratten. Es prüfte nicht, ob DSIP, unter die menschliche Haut injiziert, das Wachstumshormon erhöht, Muskeln aufbaut oder die Regeneration verbessert. Sowohl der direkt auf das Gehirn gerichtete Eingriff als auch die andere Spezies schränken die Vergleichbarkeit ein.
6. Was fügt neuere DSIP-Forschung hinzu?
Die DSIP-Forschung endete nicht mit den älteren Insomniestudien. Die Studie von Mu und Kollegen aus dem Jahr 2024 untersuchte DSIP, das an Peptide gekoppelt war, die ihm helfen sollen, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden. Die Forschenden testeten diese Fusionspräparation an Mäusen mit chemisch induzierter Insomnie und maßen schlafbezogenes Verhalten und Neurotransmitter.
Die veränderte Präparation führte in diesem Modell zu günstigeren Neurotransmitterbefunden als DSIP allein. Es bleibt ein Tierexperiment mit einem anderen Konstrukt. Eine Arbeit über ein DSIP-Fusionspeptid kann die Wirksamkeit einer gewöhnlichen DSIP-Durchstechflasche, -Kapsel oder eines DSIP-Sprays nicht bestätigen.
Wenn du die Peptidforschung verfolgst, prüfe das vollständige Molekül, das im Methodenteil genannt wird. Dass zwei Produkte „DSIP“ im Titel tragen, macht sie nicht austauschbar.
7. DSIP: Dosierung, Injektionen und Halbwertszeit
Die Studie von 1992 verwendete 25 nmol/kg intravenös vor drei Studiennächten. Das ist die Beschreibung eines experimentellen Schemas. Es begründet weder eine Dosis zur Selbstbehandlung noch eine Umrechnung auf die subkutane Gabe.
Eine intravenöse Infusion bringt die Substanz direkt in den Blutkreislauf. Eine subkutane Injektion muss erst aus dem Gewebe aufgenommen werden. Nasale und orale Präparate werfen weitere Fragen zur Aufnahme auf. Die Bioverfügbarkeit hängt von Präparat und Verabreichungsweg ab, sodass gleiche Mengen auf dem Etikett keine gleiche Exposition garantieren.
Die Prüfung der FDA von 2026 nennt eine Plasmahalbwertszeit von acht Minuten, fand aber keine pharmakokinetischen Daten für den vorgeschlagenen subkutanen Verabreichungsweg. Die darin zusammengefassten Tierstudien berichteten über Halbwertszeiten von etwa 2–6 Minuten nach intravenöser Injektion bei Hunden, Ratten und einem Affen. Eine kurze Eliminationszeit sagt nichts darüber aus, wie lange eine Wirkung auf den Schlaf anhält.
Der Bericht von 1981 über sechs Personen mit Insomnie beschrieb eine leichte Aktivierung in der ersten Stunde und schlaffördernde Effekte ab der zweiten. Aus dieser verzögerten Reaktion lässt sich kein allgemeingültiger Abstand zur Schlafenszeit ableiten. Sie rechtfertigt auch nicht, eine Dosis zu erhöhen oder zu wiederholen, wenn der Schlaf nicht schnell kommt.
Eine Halbwertszeitkurve, die aus einem angenommenen Wert erzeugt wird, bildet diese Annahme ab. Sie kann DSIP nicht in deinem Blut messen und keinen wirksamen nächtlichen Plan ermitteln. Die oben genannten Studien lassen wiederholte Zyklen und eine langfristige Schlafverbesserung ungeklärt.
8. DSIP: Nebenwirkungen und Sicherheit bei nächtlicher Anwendung
Das FDA-Briefing von 2026 beschreibt Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und niedrigen Blutdruck in Entzugsstudien mit intravenöser Gabe. Entzugssymptome erschweren die Zuordnung. Die Prüfung fand keine Sicherheitsdaten für den vorgeschlagenen subkutanen Verabreichungsweg.
Unabhängig davon weist die Sicherheitsseite der FDA zu Rezepturwirkstoffen bei Emideltid-Produkten auf mögliche Immunreaktionen und auf Schwierigkeiten bei der Charakterisierung von Peptidverunreinigungen hin. Eine Reinheitsangabe in Prozent belegt weder Sterilität noch klinische Sicherheit.
Dass in einem Schlafexperiment mit sechs Personen keine Nebenwirkungen berichtet wurden, belegt nicht, dass die nächtliche Anwendung sicher ist. Seltene Reaktionen erfordern deutlich größere Stichproben, und Abhängigkeit oder Toleranz erfordern eine angemessene Nachbeobachtung. Aussagen wie „kein Kater“, „keine Toleranz“ oder „null Entzug“ brauchen direkte Belege für die jeweils diskutierte Formulierung und Anwendungsdauer.
DSIP hat keine von der FDA zugelassene Anwendung. Das Briefing von 2026 betrifft die Bewertung für eine Rezepturliste, die kein fertiges Arzneimittel zulässt.
Die FDA bewertete Emideltid aus eigener Initiative, nachdem die ursprünglichen Nominierungen zurückgezogen worden waren; diese betrafen chronische Insomnie, Narkolepsie und Opioidentzug mit subkutaner Injektion. Die FDA-Mitarbeitenden schlugen vor, weder die freie Base noch die Acetatform in die 503A-Liste der Bulk-Wirkstoffe aufzunehmen, und verwiesen auf eine mangelhafte chemische Charakterisierung, unzureichende Wirksamkeitsbelege, begrenzte Sicherheitsdaten und ein Immunogenitätsrisiko. Bei der Sitzung des Beratungsausschusses am 23.–24. Juli 2026 war Emideltid das einzige von sieben Peptiden, das der Ausschuss nicht empfahl: Es wurde mit 7–6 Stimmen bei einer Enthaltung abgelehnt. Mit Stand 15. Oktober 2026 war die jüngste Maßnahme im Federal Register (US-Bundesanzeiger), in der Emideltid genannt wurde, die Sitzungsankündigung vom April 2026.
DSIP wird auf der Verbotsliste 2026 der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA nicht namentlich genannt. Ihre Klasse S0 verbietet jederzeit pharmakologische Substanzen, die derzeit von keiner staatlichen Gesundheitsbehörde für die therapeutische Anwendung beim Menschen zugelassen sind.
9. DSIP vs. Selank und Schlaf-Stacks
Die klinischen Arbeiten zu DSIP befassen sich vor allem mit dem Schlaf. Selank hat eine eigene Forschungsgeschichte mit Schwerpunkt Angst. Weniger Angst könnte manchen Menschen den Schlaf erleichtern, doch diese Möglichkeit belegt weder, dass Selank Insomnie behandelt, noch, dass die Zugabe von DSIP das Ergebnis verbessert.
Die hier betrachteten Studien liefern keinen kontrollierten Vergleich am Menschen, der DSIP plus Selank, Melatonin oder andere Schlafmittel validiert. Sie können auch nicht belegen, dass Wechselwirkungen mit verschreibungspflichtigen Beruhigungsmitteln oder Alkohol unbedenklich sind. Ein plausibler Grund, Substanzen zu kombinieren, liefert eine Forschungsfrage, keinen gemessenen Nutzen.
Wer seinen Schlaf bereits protokolliert und mehrere Substanzen auf einmal hinzunimmt, schafft ein Zuordnungsproblem. Wenn sich der Schlaf verbessert, während sich Koffeinkonsum, Training und drei Nahrungsergänzungsmittel ändern, kann das Protokoll den Beitrag von DSIP nicht isolieren. Tritt morgens Schwindel auf, erschwert dieselbe Unsicherheit die Suche nach der Ursache.
Bevor du eine DSIP-Erfolgsgeschichte interpretierst, achte auf Verabreichungsweg, Dauer, das Schlafmuster vor Beginn und den tatsächlich gemessenen Endpunkt. Zusätzliche Schlafzeit, ein höherer Wearable-Score und eine bessere Leistungsfähigkeit am nächsten Tag sollten jeweils getrennt berichtet werden.
10. Häufige Fragen zu DSIP
Wofür wird DSIP verwendet?
DSIP steht für Delta Sleep-Inducing Peptide (Delta-Schlaf-induzierendes Peptid) und wird auch Emideltid genannt. Forschende haben es bei Schlafstörungen untersucht, und es wird als Mittel für tieferen Schlaf und bessere Regeneration diskutiert. Kleine Studien am Menschen liefern widersprüchliche Ergebnisse.
Erhöht DSIP den Tiefschlaf?
Eine verlässliche Zunahme ist beim Menschen nicht belegt. In der verblindeten Studie von Monti und Kollegen aus dem Jahr 1987 veränderte sich der Slow-Wave-Schlaf nicht. Länger zu schlafen oder schneller einzuschlafen bedeutet außerdem nicht unbedingt, mehr Zeit im Tiefschlaf zu verbringen.
Hat DSIP den Schlaf in einer Studie um 59 % verlängert?
Ja, aber das Ergebnis betraf die mediane Gesamtschlafzeit von sechs gesunden Freiwilligen über 130 Minuten nach einer morgendlichen intravenösen Infusion. Es war keine Zunahme des nächtlichen Schlafs oder des Tiefschlafs um 59 %.
Welche DSIP-Dosierung wird empfohlen?
Es gibt kein etabliertes DSIP-Schema, um den Schlaf in Eigenregie zu verbessern. Dosen, die als intravenöse Infusion untersucht wurden, können weder eine subkutane Injektion noch ein Nasenspray, einen Plan zur Schlafenszeit oder einen wiederholten Zyklus validieren.
Wie lang ist die Halbwertszeit von DSIP?
Die Prüfung der FDA von 2026 nennt eine Plasmahalbwertszeit von acht Minuten, fand aber keine pharmakokinetischen Daten für den vorgeschlagenen subkutanen Verabreichungsweg. Aus diesem Wert lässt sich weder ableiten, wie lange ein injiziertes Produkt den Schlaf verbessert, noch wann es erneut gegeben werden sollte.
Senkt DSIP den Cortisolspiegel?
Eine Studie am Menschen aus dem Jahr 1995 fand keine Unterdrückung der ACTH- oder Cortisolreaktion auf einen hormonellen Stimulationstest oder eine Mahlzeit. Das spricht nicht dafür, DSIP als verlässliche cortisolsenkende Behandlung einzusetzen.
Kann DSIP dich wacher machen?
Eine Insomniestudie mit sechs Personen beschrieb in der ersten Stunde eine leichte Aktivierung; schlaffördernde Effekte zeigten sich erst in der zweiten Stunde. Diese kleine Beobachtung kann weder die Reaktion einzelner Menschen vorhersagen noch klären, wie oft DSIP den Schlaf verschlechtert.
Ist DSIP für die nächtliche Anwendung sicher?
Die Sicherheit einer langfristigen nächtlichen Anwendung, die Toleranzentwicklung und das Abhängigkeitsrisiko sind nicht ausreichend geklärt. Kurze Studien mit kleinen Gruppen können weder seltene Nebenwirkungen erfassen noch die Folgen einer monatelangen Anwendung bestimmen.
Kannst du DSIP mit Selank oder anderen Schlafmitteln kombinieren?
Die hier betrachteten Studien belegen weder die Sicherheit noch einen zusätzlichen Nutzen für den Schlaf, wenn DSIP mit Selank, Melatonin, Beruhigungsmitteln oder anderen Peptiden kombiniert wird. Wer mehrere Substanzen gleichzeitig verändert, kann Nutzen und Nebenwirkungen außerdem schwerer zuordnen.
Ist DSIP von der FDA zugelassen?
Nein. DSIP hat mit Stand 15. Oktober 2026 keine von der FDA zugelassene medizinische Anwendung. Im Juli 2026 schlugen FDA-Mitarbeitende vor, Emideltid nicht in die 503A-Rezepturliste aufzunehmen, und ein Beratungsausschuss der FDA stimmte mit 7–6 Stimmen bei einer Enthaltung dagegen, es zu empfehlen. Die Prüfung für eine Rezepturliste ist keine Arzneimittelzulassung.
11. Quellen
Für diesen Artikel verwendete Quellen
- Bes et al. (1992): Effects of delta sleep-inducing peptide on sleep of chronic insomniac patients
- Schneider-Helmert (1987): Wirkung auf das 24-Stunden-Schlaf-Wach-Verhalten bei schwerer chronischer Insomnie
- Monti et al. (1987): Kurzzeitgabe von DSIP bei chronischer Insomnie
- Schneider-Helmert et al. (1981): Akute und verzögerte Effekte auf das Schlafverhalten des Menschen
- Schneider-Helmert und Schoenenberger (1981): DSIP und gestörter Schlaf beim Menschen
- Schoenenberger und Monnier (1977): Charakterisierung eines Delta-EEG-induzierenden Peptids
- Friedman et al. (1994): DSIP-ähnliche Immunreaktivität im Plasma und Schlafstadien beim Menschen
- Späth-Schwalbe et al. (1995): DSIP beeinflusste die stimulierte ACTH- und Cortisolsekretion nicht
- Iyer et al. (1988): Experimente zu Slow-Wave-Schlaf und Wachstumshormon bei Ratten
- Mu et al. (2024): DSIP-Fusionspeptide in einem Insomnie-Mausmodell
- Chinoy et al. (2021): Sieben Schlaftracker für Verbraucher im Vergleich mit der Polysomnographie
- FDA (2026): Briefing zu Emideltid für die Rezepturherstellung, einschließlich Verabreichungsweg, Pharmakokinetik und Sicherheit
- FDA: Mögliche Sicherheitsrisiken von Emideltid (DSIP) aus der Rezepturherstellung
- FDA-Substanzregister: Identität und Synonyme von Emideltid
- FDA: Sitzung des Pharmacy Compounding Advisory Committee am 23.–24. Juli 2026
- Steinzor, AJMC (31. Juli 2026): FDA panel backs 6 peptides for compounding
- Federal Register (16. April 2026): Sitzungsankündigung des Pharmacy Compounding Advisory Committee, Docket FDA-2025-N-6895
- WADA: Verbotsliste 2026