Was ist Vilon?
Veröffentlicht am 15. Okt. 2026 · Aktualisiert 17. Okt. 2026 · 14 Min. Lesezeit
Vilon ist ein synthetisches Peptid aus nur zwei Aminosäuren, Lysin und Glutaminsäure. Das Institut von Vladimir Khavinson in Sankt Petersburg hat es entwickelt und bewirbt es als „Bioregulator“ für den Thymus, die Drüse, in der T-Zellen reifen. In den USA ist es kein zugelassenes Arzneimittel, und es wurde keine randomisierte, placebokontrollierte Studie am Menschen veröffentlicht; der bemerkenswerteste Befund aus den eigenen Arbeiten der Entwickler ist, dass es bei einem krebsanfälligen Mäusestamm zu mehr Brusttumoren führte.
Das Wichtigste in Kürze
- Vilon ist ein synthetisches Dipeptid, bei dem Lysin an Glutaminsäure gebunden ist. Es wurde am Institut von Vladimir Khavinson in Sankt Petersburg entwickelt und wird als Thymus-Bioregulator beworben.
- Es wurde keine randomisierte, placebokontrollierte Studie am Menschen veröffentlicht. Die Berichte am Menschen sind kleine russische Studien, deren Abstracts weder Teilnehmerzahlen noch Dosen oder Kontrollgruppen nennen.
- Fast die gesamte Forschung stammt aus einem einzigen Autorennetzwerk, und keine unabhängige Gruppe hat die Ergebnisse repliziert.
- Bei krebsanfälligen HER-2/neu-Mäusen führte Vilon zu mehr Brusttumoren; bei Mäusen mit Lungentumoren verkürzte die Kombination mit Cyclophosphamid das Überleben.
- Vilon ist kein von der FDA (US-Arzneimittelbehörde) zugelassenes Arzneimittel, es gibt keine veröffentlichten Daten zu Halbwertszeit oder Toxikologie, und es wurde nie zusammen mit GLP-1-Medikamenten untersucht.
Vilon gehört zur selben Familie kurzer russischer Peptide wie Epitalon, Pinealon und Cartalax. Online wird es für das Immunsystem und gesundes Altern verkauft. Die Forschung dahinter besteht fast ausschließlich aus Zellkultur- und Nagerstudien einer einzigen Autorengruppe, ergänzt um einige kleine klinische Berichte, in denen grundlegende Angaben fehlen, etwa wie viele Erkrankte teilgenommen haben.
Damit ist Vilon ein gutes Beispiel dafür, warum man Versprechen zu Peptiden sorgfältig lesen sollte. Auch eine lange Literaturliste kann eine schmale und weitgehend nicht replizierte Evidenzbasis beschreiben.
| Vilon im Überblick | Was du wissen solltest |
|---|---|
| Andere Bezeichnungen | Peptid Vilon; chemischer Name L-Lysyl-L-Glutaminsäure |
| Klasse | Synthetisches Dipeptid (zwei Aminosäuren) aus der Khavinson-Familie der „Peptid-Bioregulatoren“ |
| Behauptete Rolle | Thymus-imitierender Immunregulator und Geroprotektor, also ein Anti-Aging-Mittel |
| Status in den USA | Kein von der FDA (US-Arzneimittelbehörde) zugelassenes Arzneimittel |
| WADA | Auf der Liste 2026 nicht namentlich genannt; grundsätzlich von Klasse S0 für nicht zugelassene Substanzen erfasst |
| Verabreichung in Studien | Subkutane Injektion in den Nagerstudien, die einen Verabreichungsweg nennen; eine Rattenstudie gab es oral |
| Halbwertszeit | Unbekannt; es wurde keine pharmakokinetische Studie an Menschen oder Tieren veröffentlicht |
| Daten am Menschen | Drei kleine russische klinische Abstracts (Typ-1-Diabetes, ältere Erwachsene mit kolorektalem Karzinom); keine beschriebene Randomisierung, kein Placebo |
| Größte Evidenzlücke | Keine kontrollierte Studie am Menschen und keine unabhängige Replikation |
1. Was ist Vilon, und woher stammt es?
Der Substanzeintrag in PubChem führt Vilon als Synonym für das Dipeptid, das entsteht, wenn Lysin mit Glutaminsäure verknüpft wird. Damit gehört es zu den kleinsten Molekülen, die unter dem Etikett „Bioregulator“ verkauft werden. Seine Entwickler nennen es ein „Thymomimetikum“, also eine Substanz, die die Wirkungen von Thymushormonen nachahmen soll.
Die eigenen Darstellungen der Gruppe zu seiner Herkunft sind nicht einheitlich. Die Übersichtsarbeit von Morozov und Khavinson aus dem Jahr 1997 beschreibt es als neu synthetisiertes, immunmodulierendes Dipeptid. Eine Arbeit von Linkova und Kollegen aus dem Jahr 2023 bezeichnet es dagegen als einen der Wirkstoffe in Thymalin, einem Extrakt aus Kälberthymus. Diese Studie stützte sich allerdings auf Modellierung und Zellkultur und berichtet nicht, dass Vilon im Extrakt gemessen wurde.
Vilon sollte nicht verwechselt werden mit Thymulin, einem eigenständigen Hormon aus neun Aminosäuren, das der Thymus selbst bildet, oder mit Thymosin alpha-1. Zu jedem dieser Moleküle gibt es eine eigene, davon unabhängige Forschungsliteratur.
2. Wie soll Vilon wirken?
Keine Studie hat gezeigt, wie Vilon in einem lebenden Menschen wirkt. Die Entwickler vermuten, dass sehr kurze Peptide in Zellen gelangen, den Zellkern erreichen und sich an die DNA anlagern, wo sie helfen, bestimmte Gene an- oder abzuschalten. Die Belege für diese Idee sind größtenteils rechnerischer Natur.
- Docking-Modelle. Computersimulationen sagten voraus, dass das Dipeptid an kurze DNA-Abschnitte in den Steuerregionen der Gene für CD5 und IL-2, zwei Signalproteine des Immunsystems, passt (Khavinson und Kollegen, 2013), ebenso wie an die der alterungsassoziierten Gene SIRT1, PARP1 und PARP2 (eine Folgearbeit von 2023).
- Ganzes Peptid versus seine Bausteine. In Gewebekulturen aus Rattenmilz regte das intakte Dipeptid das Zellwachstum an, während eine einfache Mischung seiner beiden Aminosäuren es hemmte (Khavinson und Kollegen, 2015).
- Extrem niedrige Konzentrationen. Eine russische Arbeit von 2003 berichtete über einen zweiten Aktivitätsgipfel an Thymuszellen bei verschwindend kleinen Konzentrationen und vermutete, dass Wasser das Signal überträgt. Diese Erklärung liegt außerhalb der anerkannten Pharmakologie und wurde nicht unabhängig überprüft.
Die Gruppe hat diese Lücke selbst eingeräumt. In einer Übersichtsarbeit von 2016 schrieben ihre Autoren, dass der molekulare Mechanismus der Genregulation durch kurze Peptide unklar bleibt. Ein Docking-Score sagt voraus, dass eine Bindung möglich ist; er zeigt nicht, dass sie in einer lebenden Zelle stattfindet, geschweige denn, dass sie die Immunfunktion verändert.
3. Welche Studien am Menschen gibt es zu Vilon?
Die Datenlage beim Menschen ist dünn. Keines der unten aufgeführten Abstracts nennt, wie viele Erkrankte behandelt wurden, welche Dosis sie erhielten oder ob eine Vergleichsgruppe randomisiert oder verblindet war.
| Bericht | Population | Was die Autoren berichteten |
|---|---|---|
| Kuznik et al., 2006 | Menschen verschiedenen Alters mit instabilem Typ-1-Diabetes | Zusätzlich zur Standardbehandlung verringerte oder beseitigte Vilon Anzeichen einer chronischen, abnormen Gerinnungsaktivität; schwächerer Effekt bei älteren Erkrankten mit schwerem Krankheitsverlauf |
| Kuznik et al., 2007 | Ältere Erwachsene mit Typ-1-Diabetes | Höhere Werte von Antithrombin III und Protein C, zwei körpereigenen Gerinnungshemmern; ein geringerer Insulinbedarf „in den meisten Fällen“; Verschiebungen der Immunzellzahlen |
| Ias’kevich et al., 2005 | Ältere Erkrankte mit Kolon- oder Rektumkarzinom im Stadium III | Als Pionierarbeit mit vorläufigen Ergebnissen bezeichnet; empfiehlt Vilon im Hinblick auf das Zweijahresüberleben, ohne Überlebenszahlen zu nennen |
Eine Übersichtsarbeit von Khavinson und Kollegen aus dem Jahr 2013 fasst die klinischen Erfahrungen der Gruppe mit mehreren Bioregulatoren zusammen. Ihr Abstract nennt weder Studiendesigns noch Teilnehmerzahlen oder Vilon-spezifische Ergebnisse.
Das eine oft zitierte Experiment mit menschlichem Gewebe ist keine Behandlungsstudie. Lezhava und Kollegen setzten weiße Blutkörperchen von Spendern im Alter von 75 bis 88 Jahren in Kultur Vilon aus und berichteten über eine Auflockerung des dicht gepackten Chromatins, des DNA-Protein-Materials der Chromosomen.
Wer hat die Forschung durchgeführt?
Fast jede Arbeit zu Vilon führt Khavinson oder Mitarbeitende seines Instituts als Autoren. Selbst die in Georgien und Italien durchgeführten Studien nennen ihn als Koautor (Lezhava et al., 2004; Avolio et al., 2022). Eine unabhängige Replikation wurde nicht gefunden, und viele Arbeiten sind kurze russische Artikel, die nur als Abstract verfügbar sind.
4. Was zeigten Zell- und Tierstudien?
Zellkulturen
Diese Experimente maßen Genaktivität, Signalmoleküle oder Färbungen in Zellen, die in der Kulturschale gezüchtet wurden. Es handelt sich um Laborbefunde, nicht um Belege für eine bessere Immunfunktion beim Menschen.
| Studie | Zellen | Berichteter Befund |
|---|---|---|
| Khavinson et al., 2002 | Thymuszellen von Mäusen | Stärkster wachstumsfördernder Effekt der drei getesteten Peptide, vor Epitalon |
| Avolio et al., 2022 | Aus Leukämie stammende menschliche Monozytenlinie | Geringere Freisetzung von TNF und IL-6 nach bakteriellem Endotoxin sowie weniger Zelladhäsion |
| Linkova et al., 2023 | Immunzellen aus dem Blut von vier Spendern | Die Entzündungssignale IL-1β, IL-6 und TNF-α sanken nach Endotoxin um das 1,4- bis 6,0-Fache |
| Khavinson et al., 2023 | Menschliche Stammzellen in replikativer Alterung | In jüngeren Zellen SIRT1-Genexpression um das 6-Fache und Proteinmenge um das 8,2-Fache erhöht |
| Ashapkin et al., 2020 | Menschliche fetale Knochenmarkstammzellen | IGF1-Genexpression neben anderen kurzen Peptiden um das 3,5- bis 5,6-Fache erhöht; auch NF-κB gesteigert |
| Fridman et al., 2020 | Alternde menschliche Hautfibroblasten | Weniger IL-1, NF-κB und TGF-β; mehr Sirtuin-6 |
| Ivko et al., 2020 | Alternde menschliche Thymuszellen | Mitochondrienfärbung um das 1,5-Fache verstärkt; ein ribosomales Protein um 15 % verringert |
Nicht alle Ergebnisse wiesen in dieselbe Richtung. In einer russischen Studie von 2008 wirkten Vilon und drei verwandte Peptide für sich allein nicht als Antioxidantien. In Nervenzellen erhöhten sie die Ruhewerte reaktiver Sauerstoffspezies sogar, obwohl weniger Zellen starben.
Lebensdauer bei Mäusen
Die Verlängerung der Lebensdauer ist die online am häufigsten wiederholte Behauptung, und die beiden Mäuseberichte passen nicht sauber zusammen.
| Studie | Design | Ergebnis |
|---|---|---|
| Khavinson et al., 2000 | Weibliche CBA-Mäuse, ab einem Alter von sechs Monaten subkutan injiziert | Berichtet wurden eine längere Lebensdauer, mehr Aktivität und weniger spontane Tumoren; das Abstract nennt keine Zahlen |
| Anisimov et al., 2001 | Weibliche CBA-Mäuse, 0,1 µg pro Maus an fünf Tagen jedes Monats bis zum Tod, verglichen mit Kochsalzlösung oder Epitalon | Mit Vilon mehr körperliche Aktivität und weniger spontane Lungenadenome; der signifikante Überlebensgewinn (Mittelwert +5,3 %) wurde nur für Epitalon berichtet |
Weitere Studien an Nagetieren
Bei Ratten, die einer Ganzkörper-Gammastrahlung von 6 Gy ausgesetzt waren, soll Vilon das Wachstum von Thymuszellen und die Aktivität intestinaler Stammzellen angeregt haben (Khavinson et al., 2001). Bei alten männlichen Ratten, denen ein Hoden entfernt worden war, sollen 50 µg pro Ratte die Sexualfunktion aktiviert haben, mit Veränderungen bei LH, Prolaktin und ACTH (Kudriavtseva et al., 2006). Oral an Ratten verabreicht, veränderte es mehrere Verdauungsenzyme (Khavinson et al., 2001).
Diese Hormonveränderungen wurden nur bei Ratten gemessen. Wer Testosteron, LH oder Fruchtbarkeitsmarker verfolgt, erfährt daraus nicht, was Vilon beim Menschen bewirken würde, denn keine Studie am Menschen hat diese Endpunkte gemessen.
5. Kann Vilon das Krebsrisiko erhöhen?
In welche Richtung Vilon Tumoren beeinflusste, hing vom Modell ab, und ein Modell zeigte einen klaren Schaden.
| Modell | Berichtetes Ergebnis |
|---|---|
| HER-2/neu-transgene Mäuse, die von selbst Brustkrebs entwickeln; 1 µg pro Maus an fünf Tagen jedes Monats (Anisimov et al., 2002) | Vilon erhöhte im Vergleich zu Kochsalzlösung signifikant die Brustkrebsinzidenz und die Tumorzahl und ließ Tumoren früher auftreten; Epitalon verringerte Zahl und Größe der Tumoren |
| HER-2/neu-Mäuse, begleitende russischsprachige Arbeit (Alimova et al., 2002) | Zwei oder mehr Tumoren bei 95 % der Vilon-Mäuse gegenüber 75 % unter Kochsalzlösung und 56 % unter Epitalon; Lungenmetastasen mit Vilon 2,6-mal so häufig wie mit Epitalon |
| Ratten, die einer blasenkrebsauslösenden Chemikalie ausgesetzt waren (Pliss et al., 2001) | 56 % der mit Vilon behandelten Ratten entwickelten Blasentumoren, gegenüber 75,5 % der unbehandelten Kontrolltiere |
| Mäuse, die einer darmkrebsauslösenden Chemikalie ausgesetzt waren; 10 µg/kg (Pliss et al., 2005) | 14,3 % der überlebenden, mit Vilon behandelten Mäuse hatten Tumoren, gegenüber 60 % der Kontrolltiere |
| Mäuse mit transplantiertem Lungenkarzinom (Barykina et al., 2003) | 1 mg/kg allein verbesserte das Überleben; zusammen mit Cyclophosphamid gegeben, verkürzte es das Überleben |
Einige Studien berichteten über weniger chemisch ausgelöste Tumoren, sodass sich die Ergebnisse nicht einfach als schützend oder schädlich zusammenfassen lassen. Der Brustkrebsbefund ist wichtig, weil er aus dem eigenen Labor der Entwickler stammt und statistisch signifikant war. Unabhängig davon fand eine Arbeit an Stammzellen, dass Vilon IGF1, ein wachstumsförderndes Gen, und NF-κB, einen Hauptschalter der Entzündung, erhöhte. Ob es das Krebsrisiko beim Menschen verändert, hat niemand untersucht.
6. Ist Vilon legal oder von der FDA zugelassen?
Vilon ist in den USA kein zugelassenes Arzneimittel, und eine Zulassung durch FDA oder EMA wurde nicht gefunden. Auf der FDA-Liste der Bulk-Wirkstoffe, die bei der Rezepturherstellung erhebliche Sicherheitsrisiken bergen können, stand es in der Fassung vom April 2026 nicht, obwohl diese Seite Epitalon nennt. Nicht gelistet zu sein ist keine Sicherheitsbewertung.
Im Sport wird Vilon auf der Verbotsliste 2026 der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nicht namentlich genannt. Klasse S0 verbietet jederzeit jede pharmakologische Substanz ohne aktuelle behördliche Zulassung für die therapeutische Anwendung am Menschen, und eine Vilon-spezifische Entscheidung der WADA wurde nicht gefunden.
7. Gibt es eine Vilon-Dosis oder eine bekannte Halbwertszeit?
Eine Dosis für den Menschen ist nicht etabliert. Die einzigen Dosen in den zitierten Abstracts stammen von Nagetieren: 0,1 bis 1 µg pro Maus, subkutan injiziert an fünf Tagen jedes Monats, 10 µg/kg und 1 mg/kg bei Mäusen sowie 50 µg pro Ratte. Tierdosen lassen sich nicht auf ein Schema für den Menschen hochrechnen, und keine dieser Studien hatte zum Ziel, eine sichere oder wirksame Menge zu finden.
Die Halbwertszeit von Vilon ist unbekannt. Keine veröffentlichte Studie hat seine Aufnahme, Verteilung oder Ausscheidung bei irgendeiner Spezies gemessen. Am nächsten kommt eine Computermodellierungsstudie von 2023, die vorhersagte, dass Vilon und andere ultrakurze Peptide möglicherweise von Aminosäure- und Peptidtransportern (den Proteinen LAT1, LAT2 und PEPT1) in Zellen befördert werden. Ob intaktes Vilon die Verdauung übersteht oder wie schnell eine injizierte Dosis aus dem Blut entfernt wird, ist bisher nicht berichtet.
Das begrenzt, was ein Halbwertszeit-Diagramm zeigen kann. Jede Kurve würde auf einem angenommenen statt auf einem gemessenen Wert beruhen.
8. Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und GLP-1-Medikamente
Niemand hat eine formale Sicherheitsstudie zu Vilon am Menschen durchgeführt. Auch die üblichen tierexperimentellen Toxikologiestudien, etwa Tests auf akute Toxizität, Toxizität bei wiederholter Gabe, Reproduktionstoxizität und Erbgutschädigung, wurden nicht veröffentlicht, und keine Studie hat untersucht, wie sich die Reaktion mit der Dosis verändert. Ob es in Schwangerschaft oder Stillzeit, bei Kindern oder bei Menschen mit Krebs, einer Autoimmunerkrankung oder Nieren- oder Leberproblemen sicher ist, wurde schlicht nie untersucht. Die Lebensdauerstudie von 2000 gab an, dass die Langzeitanwendung bei Mäusen keine ungünstigen Wirkungen hatte; das ist ein einzelner Tierbericht und keine Sicherheitsbilanz beim Menschen.
Wechselwirkungen
Das einzige Wechselwirkungssignal stammt von Nagetieren: Tumortragende Mäuse, die Vilon zusammen mit dem Chemotherapeutikum Cyclophosphamid erhielten, starben früher, und die Autoren rieten von der Kombination ab. Daten zu Wechselwirkungen beim Menschen gibt es für kein Medikament.
Vilon mit Semaglutid, Tirzepatid oder Insulin
Keine Studie hat Vilon zusammen mit Semaglutid, Tirzepatid oder einem anderen GLP-1-Medikament getestet. Es gibt auch keine Belege dafür, dass es Appetit, Körpergewicht oder den Erhalt der Muskulatur während der Gewichtsabnahme beeinflusst.
Ein Punkt ist für Menschen unter blutzuckersenkender Behandlung relevant. Im Bericht von 2007 zu Typ-1-Diabetes beschrieben die Autoren bei den meisten Erkrankten einen geringeren Bedarf an Insulin. Diese unkontrollierte Beobachtung belegt keinen Effekt, ist aber ein Grund, nicht davon auszugehen, dass Vilon neutral ist, wenn Insulin- oder andere blutzuckersenkende Dosen gerade angepasst werden.
Produktqualität
Was online unter dem Namen Vilon verkauft wird, unterliegt nicht der US-Arzneimittelaufsicht. Keine Behörde prüft also, ob eine Kapsel oder ein Fläschchen das angegebene Peptid in der angegebenen Menge enthält, frei von Verunreinigungen ist oder, falls für die Injektion gedacht, steril ist. Für verwandte Forschungspeptide wie Epitalon hat die FDA auf das Risiko hingewiesen, dass Verunreinigungen oder verklumptes Peptid in injizierbaren Präparaten Immunreaktionen auslösen könnten.
9. Was kannst du tatsächlich messen oder verfolgen?
Für die behaupteten Vorteile von Vilon, etwa „Thymus-Unterstützung“ oder langsameres Altern, gibt es beim Menschen keinen validierten Blutmarker. Routinemäßige Immunzellzahlen, Entzündungsmarker oder ein Fitnesswert würden nicht zeigen, ob Vilon etwas bewirkt hat, denn keine kontrollierte Studie hat es mit Veränderungen dieser Werte in Verbindung gebracht.
Was ein Protokoll leisten kann, ist eine saubere Zeitachse. Wenn du Produktname und Charge, Daten, andere Medikamente, Blutzuckerwerte (falls du Diabetes hast) und eventuelle Symptome notierst, kannst du Veränderungen leichter mit ärztlichem Fachpersonal besprechen. Werden mehrere Peptide gleichzeitig begonnen, kann kein Protokoll zeigen, welches eine Wirkung verursacht hat. Der Tracking-Leitfaden erklärt, wie diese Aufzeichnungen brauchbar bleiben.
Ändern würde dieses Bild eine randomisierte, placebokontrollierte Studie am Menschen mit einem definierten Produkt, gemessenen Blutspiegeln, aussagekräftigen klinischen Endpunkten und unabhängigen Forschenden. Eine solche Studie wurde bisher nicht veröffentlicht.
10. Häufige Fragen zu Vilon
Wofür wird Vilon verwendet?
Anbieter vermarkten Vilon für das Immunsystem und als Anti-Aging-Mittel. Seine Entwickler beschreiben es als Thymus-Bioregulator. Diese Anwendungen stützen sich auf Zell- und Nagerstudien sowie auf kleine, unkontrollierte russische klinische Berichte, nicht auf kontrollierte Studien am Menschen.
Ist Vilon legal oder von der FDA zugelassen?
Vilon ist kein von der FDA zugelassenes Arzneimittel, und eine Zulassung durch FDA oder EMA wurde nicht gefunden. Auf der Verbotsliste 2026 der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) wird es nicht namentlich genannt, doch die WADA-Klasse S0 verbietet Substanzen ohne behördliche Zulassung für die therapeutische Anwendung am Menschen.
Welche Nebenwirkungen hat Vilon?
Keine Studie hat die Häufigkeit von Nebenwirkungen beim Menschen gemessen. Die wichtigste Sicherheitsfrage ergibt sich aus Mäusestudien: Vilon führte bei einem krebsanfälligen Stamm zu mehr Brustkrebs und verkürzte das Überleben, wenn es zusammen mit einem Chemotherapeutikum gegeben wurde.
Wie lange bleibt Vilon im Körper?
Das weiß niemand. Keine veröffentlichte Studie hat Aufnahme, Halbwertszeit oder Ausscheidung bei Menschen oder Tieren gemessen, daher fehlt jeder online genannten Halbwertszeit eine Messgrundlage.
Gibt es eine empfohlene Vilon-Dosis?
Eine Dosis für den Menschen ist nicht validiert. Die einzigen Dosen in den zitierten Abstracts stammen aus Versuchen an Mäusen und Ratten, und sie lassen sich nicht in eine Dosis für den Menschen umrechnen.
Kann Vilon zusammen mit Semaglutid oder Tirzepatid angewendet werden?
Keine Studie hat Vilon zusammen mit Semaglutid, Tirzepatid oder irgendeinem GLP-1-Medikament getestet. Daten zu Wechselwirkungen, Sicherheit und Zusatznutzen gibt es nicht.
Ist Vilon dasselbe wie Thymalin oder Thymulin?
Nein. Thymalin ist ein Extrakt aus Kälberthymus, mit dem die Entwickler Vilon in Verbindung bringen, und Thymulin ist ein eigenständiges Thymushormon aus neun Aminosäuren. Zu jedem gibt es eigene Forschung.
Verlängert Vilon die Lebensdauer?
Beim Menschen nicht: Dort wurde es darauf nie untersucht. In einer Studie von 2001 an weiblichen Mäusen wurde der berichtete signifikante Überlebensgewinn für Epitalon festgestellt, nicht für Vilon.
11. Quellen
Für diesen Artikel verwendete Quellen
- PubChem: Substanzübersicht zu Vilon (CID 7010502)
- Morozov und Khavinson (1997): Natürliche und synthetische Thymuspeptide bei Immunstörungen
- Linkova et al. (2023): Thymalin-Dipeptide, Zytokine und Genexpression in Immunzellen
- Khavinson et al. (2013): Docking-Modell kurzer Peptide und Bindungsstellen in Genpromotoren
- Khavinson et al. (2023): Vilon-Peptid und SIRT1, PARP1, PARP2 in alternden Stammzellen
- Khavinson et al. (2015): Rolle der Peptidbindung für die Aktivität kurzer Peptide
- Grigor'ev et al. (2003): Peptidaktivität in ultraniedriger Dosis und das wässrige Medium
- Khavinson et al. (2016): Übersicht zu kurzen Peptiden und Genexpression
- Khavinson et al. (2023): Modellierung des Transports kurzer Peptide über LAT- und PEPT-Transporter
- FDA (2026): Bulk-Wirkstoffe, die erhebliche Sicherheitsrisiken bergen können
- WADA: Verbotsliste 2026
- Lezhava et al. (2004): Vilon und Chromatin in kultivierten Lymphozyten älterer Spender
- Avolio et al. (2022): Khavinson-Peptide in THP-1-Monozyten
- Kuznik et al. (2006): Vilon und Blutgerinnung bei Typ-1-Diabetes
- Kuznik et al. (2007): Vilon, Immunstatus und Hämostase bei Diabetes
- Ias'kevich et al. (2005): Peptid-Bioregulator bei älteren Erkrankten mit kolorektalem Karzinom
- Khavinson et al. (2013): Peptid-Bioregulatoren als Geroprotektoren, Übersicht klinischer Ergebnisse
- Khavinson et al. (2002): Kurze Peptide und Blasttransformation von Thymozyten
- Ashapkin et al. (2020): Kurze Peptide und Genexpression in alternden Stammzellkulturen
- Fridman et al. (2020): Vilon- und AED-Peptide in alternden Hautfibroblasten
- Ivko et al. (2020): AEDG- und Vilon-Peptide in alternden Zirbeldrüsen- und Thymuszellen
- Kozina et al. (2008): Regulatorische Peptide in In-vitro-Modellexperimenten
- Khavinson et al. (2000): Vilon, biologisches Alter und Lebensdauer bei Mäusen
- Anisimov et al. (2001): Thymus- und Zirbeldrüsenpeptide, Überleben und Tumoren bei CBA-Mäusen
- Anisimov et al. (2002): Epitalon, Vilon und Mammatumoren bei HER-2/neu-Mäusen
- Alimova et al. (2002): Epitalon und Vilon bei transgenen erbB-2/neu-Mäusen
- Pliss et al. (2001): Vilon und induzierte Blasentumoren bei Ratten
- Pliss et al. (2005): Vilon und durch Dimethylhydrazin induzierte Tumoren bei Mäusen
- Barykina et al. (2003): Vilon in Kombination mit Cyclophosphamid bei tumortragenden Nagetieren
- Khavinson et al. (2001): Vilon und Epitalon in strahlenempfindlichen Organen bestrahlter Ratten
- Kudriavtseva et al. (2006): Vilon, neuroendokriner Status und Sexualfunktion bei alten männlichen Ratten
- Khavinson et al. (2001): Vilon und die Aktivität von Verdauungsenzymen bei Ratten